Praktische Umsetzung von 1995-1999

Mit der praktischen Umsetzung von KINEO-Bewegungserziehung begannen wir im Frühjahr 1995 in Form einer Arbeitsgemeinschaft am Albert-Einstein-Kolleg in Schöneberg. Daraufhin folgte ein Jahr später eine weitere Arbeitsgemeinschaft am Evangelischen Gymnasium in Frohnau. An diesen Arbeitsgemeinschaften nehmen seither SchülerInnen unterschiedlichen Alters teil.

Übersicht über die Fortbildungen und Einführungen für LehrerInnen und SchülerInnen

1996

Fortbildung für LehrerInnen des Faches 'Darstellendes Spiel' im Rahmen des BIL
Einführung für LehrerInnen der Evangelischen Schule Frohnau

1997

Fortbildung für LehrerInnen des Faches 'Darstellendes Spiel' im Rahmen des BIL
Einführung für LehrerInnen der Ausbildungsgruppe 'Darstellendes Spiel'
Projekttag für SchülerInnen am Tucholsky-Gymnasium in Berlin-Pankow
Projekttag'GesundeSchule' für SchülerInnen des Friedrich-Ebert-Gymnasiums in Berlin-Wilmersdorf

1998

Fortbildung für LehrerInnen des Faches 'Darstellendes Spiel' im Rahmen des BIL
Fortbildung für LehrerInnen des Faches 'Sport' im Rahmen des BIL
Einführung für LehrerInnen des Arbeitskreises 'opus'

1999

Fortbildung 'Gesundheitserziehung' für LehrerInnen im Rahmen des BIL
Einführung für TeilnehmerInnen der 'opus' Tagung
Projekttage für SchülerInnen des Friedrich-Ebert-Gymnasiums Berlin-Wilmersdorf
1. Tagung für Kineo-Bewegungserziehung im Schloss Senzke

Nachfolgend sind Inhalt und Durchführung der verschiedenen Veranstaltungen beschrieben.

Arbeitsgemeinschaft am Albert-Einstein-Kolleg Schöneberg

Leitung: Gundi Kälber

Seit Frühjahr 1995 leite ich eine Arbeitsgemeinschaft für KINEO-Bewegungserziehung. Das Kolleg ist eine Einrichtung des Zweiten Bildungsweges; die SchülerInnen sind zum großen Teil Anfang bis Mitte zwanzig. An der AG können sowohl SchülerInnen aller Jahrgangsstufen als auch LehrerInnen teilnehmen. Die Gruppenzusammensetzung variiert, es gibt SchülerInnen, die kontinuierlich teilnehmen, weitere kommen hin und wieder für einen kurzen Zeitraum dazu.
Die SchülerInnen kommen mit unterschiedlichen Motiven, wie Spaß an Bewegung, Neugierde, Entspannung als Ausgleich zum Schulalltag, Rückenprobleme.

Zu Beginn sitzen wir im Kreis. Es besteht die Möglichkeit zum Gespräch und für mich die Möglichkeit, die Stimmung der Gruppe wahrzunehmen.
Der Bewegungsteil umfaßt ungefähr 60 bis 70 Minuten.
Abschließend findet eine Teerunde statt. Die SchülerInnen können ihre Bewegungserfahrungen austauschen und sie nutzen diese Zeit auch um über ihre Schulerfahrungen zu sprechen. Da sie aus verschiedenen Jahrgangsstufen kommen, ist hier ein Austausch zwischen SchülerInnen möglich, die sich sonst wenig begegnen.

Der Bewegungsteil

Die nachfolgend aufgeführten Aspekte sind generell eine Orientierung für den Ablauf unserer Stunden in den Arbeitsgemeinschaften der Schule sowie in den erwähnten Einführungen.
Nach der Aufwärmphase, dem'Tuning', werden die verschiedenen Aspekte mit unterschiedlicher Gewichtung in der Stunde eingesetzt.

Tuning: Schulterkreisen, Beckenkreisen, Kreisen der Handgelenke, d.h. die Bewegung beginnt mit Konzentration auf einen Bereich des Körpers (z.B. die Schultern);ausgehend davon, in Verbindung mit einem Bewegungselement, wird der ganze Körper in Bewegung gebracht.
Bewegung mit einem oder mehreren Elementen im Wechsel, mit Fokus auf dem Ebenenspiel, dem Drei-Kreis-Prinzip, den Drei Modulationen.
Atemarbeit: Um Atem und Bewegung in Verbindung zu bringen, werden bevorzugt die Elemente A, D und E eingesetzt. Dabei wechselt die Bewegungsrichtung zwischen Heben (verbunden mit Einatem) und Senken (verbunden mit Ausatem) bzw. Ausdehnen und Zusammenziehen. So können Phasen der Konzentration und Stille in jeder Stunde erzeugt werden.
Ich-Dialog ist eine Bewegungssequenz, während der jeder für sich bewegt mit Fokus auf einen der oben genannten Aspekte. Die Lehrerin und der Lehrer haben die Möglichkeit zu beobachten, in welchem Zustand sich jeder befindet und können individuelle Hinweise geben.
Wir-Dialog: gemeinsame Bewegung in der ganzen Gruppe, zu zweit bzw. in kleineren Gruppen. Eine/r der Gruppe führt die Bewegung und die Führung kann gewechselt werden.

Arbeit mit Bewegungsabläufen
Ein Bewegungsablauf ist eine Abfolge von ineinander übergehenden Bewegungen, die mit mehreren Elementen gestaltet wird. Diese Abfolge ist wiederholbar. Sie kann somit durch verschiedene andere Aspekten, wie z.B. unterschiedlicher Ausdehnung, unterschiedlicher Dynamik, variiert werden.

Wechsel zwischen Bewegung im Liegen, Sitzen, Stehen, Gehen
Die oben erläuterten Aspekte des Bewegungsteils können sowohl im Liegen, Sitzen, Stehen und Gehen ausgeführt werden, wobei sich die Wirkung der einzelnen Aspekte verändert. Deshalb wird ein Wechsel zwischen verschiedenen Positionen in jeder Stunde eingesetzt.

Abschluß mit Uratem, Urbewegung, Urloslassen und Urton.
Dabei wird eine einfache Bewegung, verbunden mit dem Atem, dreimal wiederholt und beim letzten Ausatmen mit einem Schrei oder einem Ho abgeschlossen. Dies ist ein Moment, in dem jeder sich auf sich selbst konzentriert.

Die Abfolge und die Dauer der oben beschriebenen Aspekte sind flexibel in der Gestaltung und richten sich danach, wie sich die Bewegung innerhalb der Gruppe entwickelt.

Erfahrungen der SchülerInnen

zum Thema Bewegungsausdruck

Die Mischung von "offener" Bewegung und vorgegebenen Bewegungsabläufen wird von den SchülerInnen als sehr positiv angenommen. Zum einen sehen sie in der Bewegung mit den Elementen die Möglichkeit, sich kreativ in und durch Bewegung zu entfalten, zum anderen ist ein vorgegebener, reproduzierbarer Bewegungsablauf wie eine kleine Choreographie, die erlernbar ist und mit der man dann arbeiten kann.

zum Thema Körperbewußtsein

Die Entwicklung und Veränderung ihres Körperbewußtseins wird von den SchülerInnen häufig thematisiert. Sie entdecken und spüren ihren Körper mehr und mehr. Ihre Sensibilität für Körper und Bewegung wird verstärkt, wodurch auch Bewegungen im Alltag bewußter werden.

zum Thema 'Führen und Folgen'

Ein immer wieder auftauchendes Thema während der Teerunde sind die Erfahrungen mit 'Führen und Folgen' im Wir-Dialog.
Viele SchülerInnen haben anfangs Probleme mit dem Folgen der Bewegung. Sie beschreiben ihre Erfahrung als anstrengend, viele Gedanken tauchen auf. Sie bewerten ihre Bewegung und sind unsicher, ob sie sich 'richtig oder falsch' bewegen. Dadurch fühlen sie sich blockiert und angespannt.
Nach einiger Zeit, bei manchen bereits beim zweiten, dritten Mal, wird Entspannung und Erholung in der Bewegung spürbar, meist in Verbindung damit, daß sie ihren Kopf nicht mehr so sehr beanspruchen und ihre Bewegung nicht mehr nach dem Kriterium 'richtig oder falsch' bewerten.
Beim Führen der Bewegung entsteht bei manchen zu Anfang ein Gefühl von Peinlichkeit und der Anspruch, möglichst 'richtig' und interessant zu bewegen. Immer wieder taucht der Satz auf: "Es fällt mit nichts mehr ein".
Dadurch, daß in jeder Stunde sowohl die Möglichkeit zum Führen als auch zum Folgen der Bewegung besteht, haben die SchülerInnen kontinuierlich das Angebot, beides zu entwickeln und ihre Entfremdung gegenüber der eigenen und der Bewegung der anderen nach und nach abzubauen. Sie können somit die oben beschriebenen Schwierigkeiten überwinden und nach einiger Zeit wird es spannend zu folgen, die Bewegung des anderen wahrzunehmen ohne darüber nachzudenken, d.h. es wird möglich Bewegung zu genießen.

Arbeitsgemeinschaft an der Evangelischen Schule Frohnau

Leitung: Wolfgang Prehm

Im Januar 1996 begann an dieser Schule die erste AG in KINEO-Bewegungserziehung.

Die Schülergruppen der AG
In der ersten Gruppe, die 1996 begann, nahmen SchülerInnen aus der Sekundarstufe II teil.
Seit 1997 kommen die SchülerInnen hauptsächlich aus der Mittelstufe (8. und 9.Klasse) .
Ein Schüler, der bereits Abitur gemacht hat, kommt als Besucher, da er weiterhin an dieser AG sehr interessiert ist.
Einige der Mädchen haben Tanzerfahrungen (Ballett, Standard), einige Jungen spielen in der Freizeit Fußball. Die anderen SchülerInnen haben keine besonderen Bewegungserfahrungen außerhalb ihrer schulischen Aktivitäten.
Wir haben in der Regel eine Zeitstunde zur Verfügung. Da die SchülerInnen meist ohne Pause nach einem langen Schultag in diese Gruppe kommen, ist es ihnen ein Bedürfnis, über Probleme des Schulalltags zu sprechen.
Die SchülerInnen sind oft müde, erschöpft und durch den Schulalltag belastet. Sie zeigen damit zusammenhängende körperliche Beschwerden , meistens Kopfschmerzen, Rückenprobleme und allgemeine Unlust.
In dieser ersten Phase geben mir ihre Haltung, die Art wie sie auf den Stühlen sitzen, wie sie gehen und stehen Hinweise auf ihren Zustand und damit auch auf die Stundengestaltung.

Der Bewegungsteil
Die Sieben Elemente erfassen die SchülerInnen schnell. So können wir uns schon in den ersten Stunden im Führen und Folgen der Elemente abwechseln. Dieses Prinzip von Führen und Folgen, das in diesem Verfahren in ständigem Wechsel und in den unterschiedlichsten Formen angewendet wird, schafft für die SchülerInnen immer wieder neue Situationen, in denen sie sich im Führen wie im Folgen kennenlernen. Auch ist das 'sich selbst führen', das 'sich selbst erleben' in Bewegung (Ich-Dialog) für die SchülerInnen schon in der ersten Stunde möglich. In den folgenden Stunden erweitern sie ihre Erfahrungen, gewinnen an Selbstvertrauen und nehmen sich gegenseitig in ihrem Gestalten von Bewegung wahr .
Der Wir-Dialog (Klebehand und Freiehand) führt in den Gruppen zu Begegnungen von SchülerInnen, die sich in ihrem Alltag in der Schule nicht kennen: Sie sind in unterschiedlichem Alter, haben andere Interessen oder auch Vorurteile. Hier treffen sie sich auf einer Ebene des voneinander Lernens und gemeinsamen Erlebens. Dies kann beim Einsatz von Klebehand geschehen.
Einen geschlossenen, wiederholbaren Bewegungsablaufes lernen die SchülerInnen schnell. Sie äußern immer wieder, daß die Konzentration auf das Folgen und Lernen dieses Ablaufes eine erholsame Ablenkung ihrer Gedanken vom sonstigen Tagesablauf ist.
Die SchülerInnen der Oberstufe sind nach einem hektischen und lauten Schultag oft an dem Moment in der Bewegung interessiert, der sie mehr zur Stille führt. Hierbei unterstützen sie die Atemübungen, bei denen bewußt Bewegung und Atmung miteinander verbunden werden.
In der Regel schließen wir die Stunden mit einem Ur-Ho oder Ur-Schrei.
Da besonders die AG im zweiten Jahr aus einer altersmäßig gemischten Gruppe bestand, fiel mir auf, daß die Jüngeren manchmal gehemmt sind von ihren Erfahrungen zu erzählen. Es ist aber auch deutlich, daß die Dialogformen Erlebnisse erzeugen die eine Brücke sind, Grenzen zwischen den SchülerInnen, die auch im Schulalltag bestehen, zu lockern.
Die älteren SchülerInnen (besonders in der ersten AG Gruppe) sind gespächsbereiter. Sie bringen auch ihre Wünsche (Bewegen nach Musik) und Bedürfnisse in die Stunden ein.
Erfahrungen der SchülerInnen
Schüler der Oberstufe äußerten, daß es in der Schule an Gelegenheiten mangelt, miteinander in Kontakt zu kommen. Sie vermissen Zeit und Ruhe für Dialog ohne das alltägliche Rollenspiel zwischen LehrerInnen und SchülerInnen im 45-Minuten-Takt. Dies wird von anderen bestätigt, die das Verhältnis von LehrerInnen zu SchülerInnen auch als zu autoritär erleben.
Die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten in Bewegung empfinden viele als angenehme Abwechslung zu ihrem Schulalltag.
Für andere wiederum ist gerade diese Situation manchmal eine zu große Herausforderung an sich selbst, sie bevorzugen das Folgen in Bewegung oder das Eintauchen in einen festgelegten Bewegungsablauf.

Zu Beginn sind die SchülerInnen oft irritiert, sie haben keine Einfälle, geraten unter Druck gut sein zu müssen und kommen sich manchmal in ihrer Bewegung lächerlich vor. Erst mit zunehmende Erfahrung und steigendem Selbstvertrauen können sie diesen Druck abbauen. Dies wird durch die unkomplizierten, spielerischen und lustigen Ausdrucksmöglichkeiten mit anderen in Dialog zu kommen unterstützt.
Auch körperlich eingeschränkte Schüler (zu dick, zu groß, zu ungeschickt, erkrankt), die mitunter das Interesse an Bewegung verloren hatten, oder sich selbst als bewegungspassiv, als unsportlich wahrnahmen, finden über dieses Verfahren wieder einen Zugang, sich selbst in Bewegung zu erleben.

Bericht zu den Fortbildungsveranstaltungen des BIL

(Berliner Institut für Lehrerfort- und Weiterbildung)
Seit Herbst 1996 haben im Rahmen des BIL für das Fach Darstellendes Spiel bisher drei Veranstaltungen und für das Fach Sport eine Veranstaltung zum Thema KINEO-Bewegungserziehung stattgefunden. Der zeitliche Rahmen betrug vier- bzw. fünfmal zwei Stunden, einmal wöchentlich von 15h bis 17h.
Die TeilnehmerInnen unterrichten an unterschiedlichen Schultypen (Grundschule, Realschule, Gymnasium, Gesamtschule, Waldorfschule, Schulen des Zeiten Bildungswegs, Schulen für sprach- und geistig behinderte Kinder). Auch die Fächer, die die LehrerInnen unterrichten sind sehr vielfältig, z.B. Darstellendes Spiel, Sport, Sprachen, Kunst, Musik und Naturwissenschaften. Als Motiv stand bei vielen TeilnehmerInnen Neugierde, etwas Neues kennenlernen wollen, das Gefühl "Mir fehlt etwas im Unterricht" im Vordergund. Aber auch ganz konkrete Motive, wie z.B. die Suche nach einer Methode zur Lenkung der ausgeprägten Motorik und der damit verbundenen Unruhe im Unterricht, für die Entwicklung von Raumsensibilität und das Kennenlernen von Entspannungsübungen, z.B. für die Arbeit als Mentorin für Konfliktlösung, wurden genannt.

Fortbildungsveranstaltungen für das Fach Darstellendes Spiel
Leitung: Gundi Kälber

Die Absicht war, eine Einführung in die Hauptaspekte des Teck-Verfahrens zu geben, damit die TeilnehmerInnen die Möglichkeit hatten, das Verfahren kennenzulernen und eine erste Erfahrung mit dieser Methode zu machen.
Für die Gestaltung der einzelnen Veranstaltungen setzte ich Aspekte des Verfahrens unter besonderer Berücksichtigung des Unterrichtsfaches 'Darstellendes Spiel' ein. Ich wählte im wesentlichen zwei Schwerpunkte. Zum einen sollte auf das Bewegen zu zweit und in der Gruppe hingeführt und zum anderen mit Hilfe der verschiedenen Techniken Bewegung individuell gestaltet werden.
Zur Förderung der Konzentration und Zentrierung wurden Atemübungen eingesetzt. Dies sind auch Phasen, in denen Ruhe erfahrbar wird.
Das Grundkonzept der einzelnen Veranstaltungen basiert auf den verschiedenen Aspekten, dieoben beschrieben sind.
Als weiterer Punkt war mir wichtig, mit den LehrerInnen ihre Erfahrungen, die sie während der Bewegung machten, auszutauschen und über den Einsatz dieser Methode in den verschiedenen Bereichen der Schule zu diskutieren.
Rahmen für ein Feedback waren zum einen die Teerunde als Teil der Veranstaltung, zum anderen ein Fragebogen, den auszufüllen ich zum Abschluß der gesamten Veranstaltung die TeilnehmerInnen bat.

 
Im Herbst 1996 umfaßte die Einführung fünf Termine, an denen elf LehrerInnen teilnahmen.
Im Laufe der fünf Treffen wurden die grundlegenden Aspekte des Bewegungsverfahrens eingeführt. Mit dieser sukzessiven Erweiterung der Gestaltungsmöglichkeiten von Bewegung wurden die TeilnehmerInnen vielfältiger und kreativer in ihrem Bewegungsausdruck und zwar sowohl im Ich- als auch im Wir-Dialog.
Im Hinblick auf den Einsatz des Verfahrens im Fach Darstellendes Spiel erweiterten wir unser Grundkonzept, indem wir dazu übergingen, die Bewegungen mit visuellen Vorstellungen zu verbinden. So verbanden wir die Bewegung mit Element D mit der Vorstellung eines Stockes und die Bewegung mit Element G mit der eines Balles. Anschließend gingen wir zum konkreten Gegenstand über.
Zum letzten Treffen hatten die TeilnehmerInnen verschiedene Gegenstände (Hut, Kleiderbügel, Tuch, Bälle und Stöcke unterschiedlicher Größe) zur Verfügung, mit denen sie in Verbindung mit den verschiedenen Elementen sowohl im Ich-Dialog als auch im Wir-Dialog bewegten. Dabei entwickelte sich auf der Grundlage der vorgegebenen Techniken sehr vielfältig und kreativ gestaltete Bewegung aller TeilnehmerInnen im ganzen Raum.

In den beiden nachfolgenden Veranstaltungen im Herbst 1997 und im Frühjahr 1998 behielten wir das Grundkonzept im wesentlichen bei.
Die Fortbildung im Herbst 1997 fand viermal mit je zwei Stunden statt, und es nahmen neun TeilnehmerInnen teil.
Es zeigte sich, daß die TeilnehmerInnen nach dem anstrengenden Vormittag in der Schule einen großen Bedarf für Regeneration und Ruhe hatten. So gab ich hier mehr Raum für Atemübungen und Bewegung im Liegen.
Bewegung mit Gegenständen wurde auf Bewegung mit dem Stock begrenzt.
Im Frühjahr 1998 nahmen zwölf TeilnehmerInnen teil und den zeitlichen Rahmen behielt ich bei.
Wir erweiterten das Grundkonzept, indem wir mit kleinen, choreographischen Bewegungsabläufen arbeiteten, ein weiteres Thema, das für das Fach Darstellendes Spiel von Bedeutung ist. Im Rahmen dieses Themas arbeiteten wir zuerst mit einer kurzen, vorgegebenen Bewegungssequenz, die dann von den TeilnehmerInnen individuell unter Berücksichtigung verschiedener Schwerpunkte variiert wurde.
Zum Abschluß konnten die TeilnehmerInnen innerhalb eines vorgegebenen Ablaufs im Ich- und Wir-Dialog die eingeführten Aspekte einsetzen. So entstand eine Choreographie von ungefähr 15 Minuten, ein lebendiges Bild in Bewegung, das von allen TeilnehmerInnen gestaltet wurde.

 
Einige Kommentare der TeilnehmerInnen

Die Bezeichnungen A, B,... entsprechen nicht der Offenheit der Bewegung; die Bewegung wird durch diese Art der Bezeichnung in Schubladen gepackt, sie ist zu sachlich. Ich wünsche mir phantasievollere Bezeichnungen.

Diese sachliche Bezeichnung hat den Vorteil, daß den einzelnen Elementen keine feste Vorstellung angeheftet wird.

Diese Bewegungsarbeit erfolgt auf hohem Niveau, deshalb ist es wichtig, möglichst spielerisch dahin zu führen.

Der Einsatz der Geräte war für mich sehr wichtig, sie unterstützten die Bewegung und die Bewegung wurde konkreter.

Es ist für mich spannend, über dieses Spüren der Ebenen den Kontakt zum Raum aufzunehmen. Dies ist auch Bewußtseinsarbeit.

Ich spüre Anspannung und Entspannung. Insgesamt fühle ich mich anschließend gut.

Mit dem Stock habe ich mich unwohl gefühlt.

Bewegung mit dem Stock erweckte Erinnerungen an meine Kindheit. Es war sehr spielerisch.

Schülerinnen zwischen 15 und 17 Jahren haben Schwierigkeiten, schulterbreit zu stehen und mit der Konzentration auf das Becken zu bewegen. Es ist ihnen peinlich.

Im Stehen mit Gewichtsverlagerung zu beginnen ist mit SchülerInnen nicht möglich. Sie müssen anders hingeführt werden.

Durch Bewegungsdialoge lernen SchülerInnen zu kooperieren, man spürt sehr schnell, wenn der andere einen austricksen will. Ohne Kooperation kann man Dialog nicht gestalten. Dies bietet eine gute Möglichkeit, daß SchülerInnen zusammenarbeiten.

Folgen im Wir-Dialog ist schwierig, weil ich so viel dabei nachdenken muß.

Die Atemübungen waren erfrischend.

Ich kam müde und gehe erfrischter und wacher.

Ich fand es gut, während des Bewegungsablaufs Zeit für mich zu haben.

Ich hatte den Eindruck, daß ich während des Wir-Dialogs chaotisch war.

Ich fand das Chaos wohltuend.

Klebehand fand ich beengend.

Bei jedem war ein individueller Bewegungsausdruck erkennbar.

Fortbildungsveranstaltung für das Fach Sport

Leitung: Wolfgang Prehm
Ort: Evangelische Schule, Frohnau
Frühjahr1998

Im Mai 1998 konnten wir eine Fortbildungsveranstaltung für den Fachbereich Sport anbieten. Sieben LehrerInnen nahmen an dieser Einführung teil.
Diese Veranstaltungsreihe konzentrierte sich auf die Präsentation der Grundlagen des Teck-Verfahrens und darauf, den KollegInnen erste Erfahrungen in der eigenständigen Gestaltung ihrer Bewegung mit diesem Verfahren zu ermöglichen.
Schwerpunkte waren Atemübungen, das Bewegen mit den Elementen im Wechsel zwischen der Konzentration auf sich selbst (Ich-Dialog) und dem Austausch mit den anderen in der Runde (Wir-Dialog). Außerdem war die abschließendeTeerunde, in der wir die eigenen Erfahrungen sowie Ideen und Möglichkeiten für den Unterrichtseinsatz besprachen, von großer Wichtigkeit.
In der ersten Veranstaltung, die etwas unruhig begann, führte ich eine Atemübung ein. Die TeilnehmerInnen sollten sich dabei auf das Einatmen konzentrieren und die Gegenrichtung (das Ausatmen) geschehen lassen. Zu Beginn folgten sie mir, konnten sich dann aber auf sich selbst konzentrieren und ihre Bewegung auch selbst führen.
Danach begannen wir im Kreis zu gehen und uns zu lockern. Jeder folgte dabei der Bewegung des vor ihm /ihr Gehenden. Dann stellte ich ihnen die Elemente D und E vor und beschrieb, indem sie mir in der Bewegung folgten, das Spiel der Ebenen.
Es folgte eine Übung des Wir-Dialogs im Kreis. Mit geschlossenen Augen hielten wir Kontakt über die Handrücken und folgten dem Impuls des Führens und Folgens (Klebehand in der Gruppe).
Die zweite Veranstaltung begannen wir mit einer Atemübung im Sitzen. (Die Bewegung wurde mit dem Element D geführt).
Ich führte durch die Sieben Elemente und wir wiederholten gemeinsam alle sieben, wobei auch die anderen die Führung in der Bewegung übernahmen. Jeder ging danach in das eigene Erforschen der Elemente A und D.In der sich anschließenden Klebehand setzten wir die Elemente A und D ein.
Zum Abschluß führte jeder die anderen mit einer kurzen Bewegungssequenz mit diesen beiden Elementen.
In der dritten Veranstaltung stand die Einführung des Drei-Kreis-Prinzips und das Prinzip der Drei Modulationen im Mittelpunkt. Ausgangspunkt waren die bereits bekannten Elementen A,D und E. Im zweiten Teil arbeiteten wir mit einem wiederholbaren kurzen Bewegungsablauf, den jeder in der verbliebenen Zeit erlernen konnte.
In der letzten Veranstaltung faßten wir die eingeführten Aspekte zusammen.
Gemeinsam und in der Führung wechselnd, bewegten wir mit Element D verbunden mit dem Drei-Kreis-Prinzip und im Anschluß mit den Drei Modulationen und Element E. Auch den erlernten Bewegungsablauf der letzten Stunde variierten wir auf der Grundlage dieser beiden Prinzipien.
Aus diesem Ich-Dialog gingen wir über in die Klebehand zu zweit, dann zu dritt, zu viert, bis zu einer Gruppe und wieder zurück zum Ich-Dialog.
Auch diese Veranstaltung schlossen wir mit einer Teerunde ab.

Einige Kommentare der TeilnehmerInnen

Die Zeit verging wie im Fluge.

Am Anfang fand ich diese Elemente sehr kompliziert, aber im eigenen Führen entdeckte ich, daß es doch sehr einfach ist.

Ich hatte starke Kopfschmerzen, aber diese angenehme Konzentration im Folgen tat gut , die Schmerzen sind weg.

Besonders diese Stille ist so selten in der Schule.

Diese Übungen im Unterricht einzusetzen, kann ich mir noch nicht vorstellen.

Das Atmen im Sitzen erlebte ich als unangenehm, als sehr eingeengt.

Ich verstehe dieses Ebenenspiel nicht, ich will es aber verstehen.

Das Lernen dieses Ablaufes geht leicht und ich bin dabei sehr konzentriert.

Wie reagieren die Schüler auf diese Dialogformen, finden sie das nicht albern?

Wie könnten wir diese Erfahrungen fortsetzen ?

Nach vier Veranstaltungen habe ich den Eindruck eines Wohlgefühls, aber das jetzt schon im Unterricht einzusetzen, kann ich mir nicht vorstellen.

Gefallen hat mir, daß ich nicht immer unter Druck nach Leistung stand. Ich mußte mich nicht nach richtig und falsch orientieren, insofern kann ich mir den Einsatz im Unterricht vorstellen.

Es hat Spaß gebracht.

Ich habe meine eigene körperliche Situation sehr deutlich gespürt.

Bericht zu den Einführungen

Einführungen für LehrerInnen

Einführung für LehrerInnen der Evangelischen Schule Frohnau
Ort: Berlin Frohnau
Datum 20.5.1996
17 TeilnehmerInnen

Leitung: Wolfgang Prehm
Während eines Studientages konnten sich verschiedene Fachbereiche vorstellen, und die KollegInnen hatten die Wahl, in kleinen Einführungen ein anderes Fachgebiet kennenzulernen.
Wir trafen uns in der alten Turnhalle. Die Stimmung war locker und entspannt und die KollegInnen waren neugierig auf das, was ich vorzustellen hatte.
Wir stellten uns in einen Kreis. Jeder sollte den Raum um sich herum und im Abstand zu den Nachbarn wahrnehmen. Wir begannen mit dem Heben und Senken der Arme, geführt durch unseren Atemrhythmus.
Diese Atemübung führte zu einer konzentrierten Stimmung. Wir lockerten uns durch Gehen im Kreis, änderten die Richtung und wechselten auch zwischen vorwärts und rückwärts gehen. Dabei lenkte jeder die Aufmerksamkeit darauf, wie er/sie geht, um so das sonst alltägliche, selbstverständliche Gehen bewußt wahrzunehmen.
Ich stellte nun die Sieben Elemente vor, das Bewegen auf und mit den Ebenen.
Aus der Gewichtsverlagerung heraus führte ich die Gruppe durch alle Elemente.
Die Elemente D, E und A erforschte dann jeder für sich. Zudem gab ich den Hinweis, die Bewegung je nach Bedarf auf Schulterhöhe oder Hüfthöhe zu lenken.
Zum Abschluß stellte ich ihnen noch den festgelegten Bewegungsablauf einer Form vor .

Einige Kommentare der KollegInnen

Ich habe meine schmerzhaften Verspannungen gespürt.

Diese Techniken habe ich als einengend in der Bewegung erlebt.

Diese Elemente sind eine gute Orientierung, um in Bewegung zu kommen.

Besonders die Ruhe bringende und entspannende Wirkung der Atemübungen haben mich sehr erfreut und ich würde mir eine Fortsetzung wünschen.

Einführung für LehrerInnen der Ausbildungsgruppe ‘Darstellendes Spiel’

Ort: Albert Einstein Kolleg
Leitung: Gundi Kälber
Assistenz: Wolfgang Prehm
28 TeilnehmerInnen

Von Ulrike Krug und Peter Klammer wurden wir eingeladen, am 11.12.1997 die LehrerInnen der Ausbildungsgruppe in KINEO-Bewegungserziehung einzuführen. Wir hatten eine Stunde zur Verfügung und die Einführung fand in der Turnhalle des Albert-Einstein-Kollegs statt.
Zu Beginn gaben wir eine kurze Einführung in die Bedeutung und die Möglichkeiten von KINEO-Bewegungserziehung.

Bewegungsteil

Nach einer kurzen Aufwärmung stellten wir Element A vor, die TeilnehmerInnen folgten der Bewegung. Anschließend bewegte jeder für sich mit diesem Element und seinen Variationen (Ich-Dialog). Wir gingen zu den Elementen E und D über und variierten die Ausdehnung der Bewegung (Drei-Kreis-Prinzip).
Darauf folgte der Wir-Dialog in der ganzen Gruppe, wobei ich die Bewegung mit den drei zuvor eingeführten Elementen im Wechsel und in variierender Ausdehnung führte. Es folgte eine kurze Demonstration und Erklärung zum Dialog zu zweit. Die TeilnehmerInnen bewegten im Wir-Dialog zu zweit im Wechsel mit Ich-Dialog zu Musik von Eric Satie.

Wir präsentierten die weiteren Bewegungselemente und zeigten, daß nicht nur Handrücken oder Handfläche Orientierungsebenen sein können, sondern auch z.B. der ganze Körper, die Beine.

Anschließend präsentierten wir einen Bewegungsablauf und erläuterten die Bedeutung eines Bewegungsablaufs im Vergleich zur Musik: Ein solcher Ablauf kann eine hohe Komplexität wie z.B. eine Mozart Sonate haben oder ganz 'einfach' sein wie das Lied 'Hänschen klein'.

Gemeinsam gingen wir durch eine Bewegungsabfolge mit den vorher eingeführten Elementen in Verbindung mit dem Drei-Kreis-Prinzip.

Diese Abfolge setzten wir auch als Atemübung ein.
Wir schlossen den Bewegungsteil mit Uratem und Urton.

Im Anschluß erfolgte eine kurze Feedback-Runde. Einige der TeilnehmerInnen konnten sich vorstellen, diese Techniken als vorbereitende Übungen zum Theaterspielen einzusetzen. Auch die Arbeit mit reproduzierbaren Bewegungsabläufen wurde besonders von den Leitern der Gruppe als wichtig für die Theaterarbeit erachtet. Anderen TeilnehmerInnen wurde der Zusammenhang zum Darstellenden Spiel nach der kurzen Einführung nicht ganz deutlich. Eine Teilnehmerin besuchte im Frühjahr die Fortbildungsveranstaltung, die im Rahmen des BIL stattfand.

Einführungen für SchülerInnen

Projekttag am Kurt-Tucholsky-Gymnasium, Pankow

Datum: 17.11.97
Kontaktlehrer: R.Großpietsch
Leitung: Wolfgang Prehm
Teilnehmer: 25 SchülerInnen von der 9.-13. Klasse

Zu Beginn erläuterte ich den SchülerInnen das Teck-Verfahren, wobei ich die Sieben Bewegungselemente mit den Noten in der Musik verglich, und verwies auf die unendlichen Möglichkeiten, die diese sieben Noten bis heute hervorgebracht haben.

Wir begannen mit den Elementen A, D und E.
Jeder einzelne Schüler ging jetzt für sich in Bewegung im fließenden Wechsel mit diesen drei Elementen. Zusammen mit einem Schüler demonstrierte ich den Bewegungsdialog 'Freiehand'. Die SchülerInnen konnten zu zweit oder zu dritt in Bewegung gehen. Sie sollten sich dabei auf das Führen oder Folgen konzentrieren. Die Grundlage waren die drei vorgestellten Elemente .
Die meisten Schüler waren sehr spielerisch, erweiterten den Dialog durch Elemente ihrer Tanzerfahrungen oder aus Bildern in ihrer Fantasie. Einige waren nach einiger Zeit gelangweilt, blieben aber weiter in Bewegung.
Danach stellte ich ihnen noch die Möglichkeit des Bewegens in einer Form vor.. Sie sollten jetzt versuchen, durch Beobachten die ihnen bekannten Elemente wiederzuentdecken.

 
Projekttag ‘Gesunde Schule’ des Friedrich-Ebert -Gymnasiums, Wilmersdorf
Ort: Berlin Wilmersdorf
Datum: 19.11.1997
Leitung: Wolfgang Prehm

Assistenz: Gundi Kälber
TeilnehmerInnen: In der ersten Gruppe waren 25 SchülerInnen von der 7. bis zur 10. Klasse. In der zweiten Gruppe waren 29 SchülerInnen der Oberstufe. Wir wurden von zwei Kollegen dieser Schule unterstützt.
Im Rahmen einer Projektwoche 'Gesunde Schule' wurden wir von der Kollegin Agnes Raucamp, die an dieser Schule unterrichtet und zuständig ist für das Projekt 'Gesundheitsfördernde Schule', eingeladen, zwei Schülergruppen KINEO-Bewegungserziehung vorzustellen.
Im Gegensatz zu der Einführung am Tucholsky-Gymnasium bewegten wir nun in einer großen Turnhalle. Der Aufbau der Stunden war ähnlich. Es fiel uns auf, daß die unterschiedlichen Schülergruppen entsprechend ihrem Alter und ihrer Situation die Techniken des Verfahrens unterschiedlich einsetzten.
Besonders die Jungen wurden nach kurzer Zeit unkonzentriert und folgten nicht mehr dem Rahmen der Übung. Die Mädchen waren aufmerksamer und experimentierfreudiger. Insgesamt waren die SchülerInnen der Mittelstufe spielerischer und aktiver in ihren Bewegungen.
Bei den SchülerInnen der Oberstufe war die Wirkung der Atemübungen besonders auffallend. Es kam zu Momenten einer greifbaren, beeindruckenden Stille.
Die SchülerInnen der Oberstufe äußerten sich sehr direkt und positiv über diese Einführung und konnten sich eine Weiterführung an ihrer Schule vorstellen.
Auch die beiden Kollegen waren sehr begeistert und wünschten sich eine Fortsetzung, da sie sich den Einsatz im Unterricht bereits nach dieser Einführung vorstellen konnten

Die TeilnehmerInnen an den Fortbildungsveranstaltungen und Einführungen unterrichten an verschiedenen Berliner Schulen unterschiedliche Unterrichtsfächer. Somit sind alle Fachrichtungen und Schultypen vertreten.