Methodik und Techniken


Methodik der Vermittlung

Ein methodischer Schwerpunkt der Vermittlung der verschiedenen Aspekte ist das Prinzip von Führen und Folgen. Einer aus der Gruppe, zu Anfang der/die LehrerIn, führt die Bewegung und die anderen ahmen gleichzeitig die Bewegung nach, d.h. folgen der Bewegung.

Dies fördert gleichzeitig die genaue Beobachtung und Wahrnehmung der anderen sowohl aus der Perspektive desjenigen, der führt, als auch desjenigen, der folgt. Verbale Erklärungen bleiben dabei im Hintergund, die Erfahrungen in der Bewegung und die Konzentration auf die Bewegung stehen im Vordergrund. Das Führen der Bewegung bleibt jedoch nicht auf den/die LehrerIn beschränkt, sondern kann schon bald, d.h. von der ersten Stunde an, von jedem in der Gruppe im Wechsel übernommen werden (s. 'Wir-Dialog') Somit kann jeder beides entwickeln und jeder kann von jedem lernen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Lernprozesses ist das selbständige Forschen und Experimentieren mit Bewegung ( s. 'Ich-Dialog'). Dafür sollte immer wieder für jeden Einzelnen die Möglichkeit gegeben werden. Dies fördert den selbständigen Umgang mit der eigenen Bewegung und die Wahrnehmung von sich selbst.

Abhängig vom Bedarf und dem Einsatz des Verfahrens im Unterricht kann ein verbaler Austausch den Abschluß bilden. Die SchülerInnen setzen sich in einen Kreis und können sich (eventuell bei einer Tasse Tee) über ihre Bewegungserfahrungen austauschen und Fragen können besprochen werden.

Techniken des Teck-Verfahrens

Die Sieben Bewegungselemente

Die Sieben Bewegungselemente sind die Bausteine für die bewußte Gestaltung und das Erkennen von Bewegung. Die Orientierung ist dabei ein Spiel der Ebenen in vielfältiger Art und Weise. Die Bewegung erfolgt dabei auf den Ebenen, mit den Ebenen oder einer Kombination der beiden Möglichkeiten.

Nehmen wir zur Veranschaulichung z. B. die beiden Handflächen bzw. die beiden Handrücken. Sie können

...als zwei miteinander verbundene Ebenen sich zusammen bewegen

Element A

 

  ..als zwei Ebenen sich aufeinander bewegen

Element B

 ..als zwei Ebenen in einem Winkel aufeinandertreffen
  Element C

...sich gemeinsam auf oder mit einer Ebene bewegen

Element D

..sich auf oder mit zwei voneinander unabhängigen Ebenen im Raum bewegen, 

Element E

...sich auf oder mit zwei sich kreuzenden Ebenen bewegen

Element F

...sich auf und mit Ebenen bewegen, die um einen Fokus-Punkt kreisen.

Element G

Werden außer den Handflächen auch die Handrücken berücksichtigt, entstehen zu den jeweiligen Elementen je drei Variationen.

Man kann jedoch auch Ebenen visualisieren, die sich über die eigenen körperlichen Grenzen ausdehnen oder auf minimale Größe zusammenziehen, oder die Orientierungspunkte sind andere Flächen des Körpers oder auch Gegenstände.

Darüberhinaus ist es möglich, die verschiedenen Elemente mit mehreren Personen zusammen zu gestalten, wobei der ganze Körper oder ein Körperteil jeder einzelnen Person eine Ebene darstellt.

Werden diese verschiedenen Ebenen auf physikalischer, geistiger und energetischer Ebene faßbar, d.h. kann man sie visualisieren und spüren und die Unterschiede wahrnehmen, hat man die Grundlage für eine Vielfalt von Bewegung und sie eröffnen verschiedene Möglichkeiten des Bewegungsausdrucks, der von unserem Geist gelenkt wird.

Und umgekehrt ist es möglich, daß, wenn wir der Bewegung folgen, wir erkennen können, welches Ebenenspiel vorhanden ist.

Somit kann durch die Übung der Bewegungselemente zum einen ein bestimmter Bewegungsausdruck entfaltet werden und zum anderen kann man erkennen, welche Art des Ebenenspiels vorhanden ist.

Die Orientierung bei der Gestaltung von Bewegung an den Sieben Bewegungselementen bietet einerseits die Möglichkeit die einzelnen Elemente mit verschiedenartigen konkreten Vorstellungen zu verbinden und diese dadurch zum Ausdruck zu bringen. Andererseits ist es aber auch möglich die Elemente in offener Art und Weise einzusetzen und die Phantasie und Vorstellungskraft jedes Einzelnen entfalten zu lassen oder auch Bewegung als Bewegung in seiner mannigfaltigen Gestalt wahrzunehmen, also Bewegung pur zu erleben.

Die Bezeichnung der Bewegungselemente mit A - G mag vielleicht sehr sachlich und abstrakt erscheinen. Eine mehr figurative, bildhafte Bezeichnung weckt jedoch meist gewisse Vorstellungen, auf die die einzelnen Elemente festgelegt werden, und somit wird die Offenheit des Ausdrucks und damit auch die Anwendung von vornherein beschränkt, was durch die gewählte Bezeichnung vermieden werden soll.

Ein weiterer Aspekt dieser einfachen und knappen Art der Bezeichnung ist, daß man sich innerhalb einer Gruppe leicht verständigen kann und der/die LehrerIn eine einfache Möglichkeit der Übermittlung von Hinweisen für seine SchülerInnen hat.

 

Das Drei-Kreis-Prinzip

Das Drei-Kreis-Prinzip ermöglicht die Wahrnehmung der drei-dimensionalen Struktur des Körpers und unserer Ausdehnungsmöglichkeiten im Raum.

Unser Körper ist nicht eine ein-dimensionale Struktur, die nur auf die frontale Seite fixiert ist. Der Körper selbst nimmt Raum ein und steht mitten in einem Raum, d.h. es gibt nicht nur die Vorderseite, auf die wir uns meist fixieren, sondern wir haben auch die Seiten und den Rücken. Wenn wir uns durch unsere Bewegung ausdehnen oder zusammenziehen, können wir innerhalb von diesem Raum uns selbst und den Raum um uns herum wahrnehmen.

Die Drei Kreise dienen als Orientierung, wie wir unseren Körper durch Bewegung zusammenziehen oder ausdehnen. Ein Merkmal des Kleinen Kreises ist es, daß der Körper sich zusammenzieht, im Mittleren Kreis ist der Ausdruck eher ausgeglichen und im Großen Kreis ist er großzügig und wir beanspruchen den für uns maximal möglichen Raum.

Durch die Erforschung der Drei Kreise lernen wir für unseren eigenen Raum und den Raum der anderen sensibler zu werden. Sind wir uns über unseren eigenen Raum bewußt, sind wir uns auch bewußt, wenn ein anderer in unseren Raum eindringt. Ist unsere Wahrnehnung sowohl für den Ich-Raum als auch den Wir-Raum geschärft, ist also unser 'Raumsinn' entwickelt, können wir sofort erkennen, wenn jemand in unseren Raum eindringt und wir haben die Möglichkeit zu agieren.

Das Prinzip der Drei Modulationen

Die Drei Modulationen sind Stillpoint Meditation, Stillpoint Flow und Stillpoint Dynamic Flow. Sie betreffen die Dynamik und den Rhythmus von Bewegung.

Indem man sich an den Modulationen orientiert, befreit man sich von der Fixierung auf Geschwindigkeit und man kann bewußt verschiedene Dynamik der Bewegung entfalten und den Bewegungsfluß variieren. Wir können die Wirkung von ‘langsam’, ‘fließend’ und ‘schnell’ erleben und zum Ausdruck bringen. Ein natürlicher Rhythmus von Bewegung wird erlebbar sowohl für den sich Bewegenden als auch für den Betrachter.

Diese drei oben beschriebenen Aspekte sind beliebig miteinander kombinierbar. Sie wirken nicht nur jeder für sich, sondern sie wirken miteinander. Aus der Kombination der Sieben Bewegungselemente, des Drei-Kreis-Prinzips und der Drei Modulationen entsteht bewußte Bewegung und das Zusammenwirken der drei Aspekte ermöglicht die Interaktion von Körper-Geist-Bewegung, KINEO, wahrzunehmen.

 

Schematische Darstellung der Kombinationsmöglichkeiten zwischen den drei Hauptaspekten des Teck-Verfahrens

 

Formen des Bewegungsdialogs

Der Ich-Dialog

Durch den Einsatz der oben beschriebenen Techniken, wobei der Schwerpunkt nur auf einer oder auch der Kombination der verschiedenen Techniken liegen kann, ist es möglich, die physikalische Ebene des Körpers wahrzunehmen. Durch diesen Dialog mit sich selbst können die physikalischen Grenzen und Möglichkeiten entdeckt und dann erweitert werden. So kann man mit sich selbst auf Entdeckungsreise gehen.

Auch wird das Getrenntsein von Körper und Geist erlebbar und bewußt. Häufig sind die Bewegungen des Körpers nicht in Verbindung mit den Gedanken und Vorstellungen. Mit Hilfe der zur Verfügung stehenden Werkzeuge ist es möglich, Körper und Geist zu verbinden und damit im Augenblick mit Körper, Geist und Bewegung zusammen anwesend zu sein, also eine ganzheitliche Präsenz zu erreichen.

Weiterhin lassen sich vielfältige Möglichkeiten des Bewegungsausdrucks entwickeln. Zum Beispiel kann ein eigener Bewegungsablauf gestaltet werden, der wiederholbar und auch für andere reproduzierbar sein kann. Innerhalb dieses vorgegebenen Bewegungsablaufs ist es möglich mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu arbeiten. So kann man sich zum Beispiel auf die Gewichtsverlagerung, den Atemfluß, das Ausdehnen und Zusammenziehen der Bewegung konzentrieren oder man kann diese Bewegungsform in Verbindung mit einem der Drei Kreise und der Drei Modulationen immer wieder unterschiedlich gestalten. Es ergeben sich also viele Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb eines vorgegebenen Rahmens.

Der Wir-Dialog

Die Basis des Wir-Dialogs ist der Ich-Dialog, d.h. die dort beschriebenen Techniken können mit einem oder auch mehreren PartnerInnen umgesetzt werden. Methoden des Wir-Dialogs sind Klebehand und Freiehand.

Das Prinzip, das allen Formen des Wir-Dialogs zugrunde liegt, ist das Prinzip von Führen und Folgen, d.h. eine Person führt die Bewegung, die anderen folgen der Bewegung, wobei nicht von vorneherein festgelegt und bestimmt wird, wer die führende Person ist, sondern wichtig ist, daß jeder beides, das Führen und das Folgen entwickeln kann, also auch immer wieder ein Wechsel erforderlich ist.

Jeder kann somit sowohl das Führen als auch das Folgen und den Wechsel zwischen beidem innerhalb eines Bewegungsflusses erleben.

Man nimmt den anderen mehr und mehr wahr, wird sensibler gegenüber der Bewegung des anderen, der Wirkung, die diese hat und der eigenen Antwort auf die Bewegung. Somit wird ein optimales Zusammenspiel, Zusammenbewegen, wie groß die Gruppe auch immer sein mag, möglich. Die Wahrnehmung der anderen und von sich selbst zusammen mit anderen wird bewußter und es entsteht eine kooperative Gruppensituation, wodurch der Einzelne sowohl in seinem individuellen als auch sozialen Wesen gefördert wird.

Die Methoden des Wir-Dialogs bieten vielfältige Möglichkeiten des Ausdrucks innerhalb einer Gruppe.

A.T.E.M.

Atemtonus energetisieren und mobilisieren

Für die Arbeit mit dem Atem gibt es einige Techniken, die dazu führen, daß wir unseren Atem bewußter wahrnehmen und unsere Kapazität erweitern können.

In Verbindung mit Bewegung folgt der Einatem der sich ausdehnenden Bewegung, d. h., einer Bewegung nach oben bzw. vom Körper weg. Der Ausatem folgt einer sich zusammenziehenden Bewegung, d.h. der Bewegung nach unten bzw. zum Körper hin.

Die Konzentration ist dabei immer auf dem Ein- oder Ausatem. Die jeweilige Gegenrichtung läßt man natürlich geschehen. Somit gibt es innerhalb eines Zyklus nur einen Schwerpunkt. Dies ermöglicht uns den eigenen Atemtonus, die Aktivitätsmöglichkeiten des Atemflusses festzustellen und greifbar zu machen.

Daran anschließen kann sich das ‘Atemstretching’, wobei man mit verschiedener Ein- und Ausatemfrequenz arbeitet. Ist die Konzentration zum Beispiel auf dem Einatem, atmet man mehrfach hintereinander ein, dann folgt ein Schlucken, wodurch Ein- und Ausatem spürbar voneinander getrennt werden; der Ausatem geschieht. Der Atemtonus wird auf diese Weise energetisiert und mobilisiert.

In beiden Phasen folgt wie beschrieben der Atem der Bewegung.

Eine Variante der oben beschriebenen Techniken ist, daß umgekehrt die Bewegung dem Atem folgen kann. Der Schwerpunkt der Orientiertung sollte klar sein, d.h. entweder folgt der Atem der Bewegung oder die Bewegung folgt dem Atem.

Diese Übungen helfen uns, Atem und Bewegung in eine sich wechselseitig unterstützende Verbindung zu bringen, uns zu zentrieren und unsere Konzentrationsfähigkeit zu steigern.